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Tagungsbericht 2012

Neue Erkenntnisse, Technologien und Richtlinien|beim Verpacken von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern

Unbedenklich, effizient, werbewirksam: Wie man Lebensmittel und Gebrauchsgüter richtig verpackt, diskutierten die Teilnehmer der 22. Dresdner Verpackungstagung am 6. und 7. Dezember. 170 Fachleute aus Technik, Handel, Forschung und Lehre waren auf Einladung des Deutschen Verpackungsinstituts zum traditionellen Branchen- und Netzwerktreffen in die vorweihnachtliche Elbmetropole gekommen.

Gute Produkte werbewirksam verpacken

Frank Rehme | METRO SYSTEMS GmbH

Die bewussten und unbewussten Entscheidungsprozesse der Konsumenten standen im Mittelpunkt des Vortrags von Frank Rehme, Head of Innovation Services der Metro Systems. Ohne ein entsprechendes Verständnis, so seine These, könne man beim „Sinneswandel zum Sinneshandel“ nicht erfolgreich sein. Gerade in einer Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Zielgruppen und Bedürfnissen müsse die Verpackung den jeweils richtigen Kontext schaffen, um die intuitiven Entscheidungsprozesse der Konsumenten zu beeinflussen. Die Verpackung eines online gekauften Produkts müsse zum Beispiel andere Qualitäten aufweisen, als die Verpackung des gleichen Produkts im Laden. Der Grund ist ebenso einfach wie grundlegend: Das Einkaufserlebnis des Onlinekäufers ist ein ganz anderes. Für Frank Rehme ist klar: Der Handel muss ein stimmiges Gesamtpaket bieten. Dazu gehört auch, dass er Werte liefert, Unterhaltung bietet und seine Mitarbeiter gut behandelt. Gelingen kann das aber nur, wenn die Verkäufer „zum Fan ihrer Kunden werden“.

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Olaf Starken | pacproject GmbH

Olaf Starken, Managing Partner von pacproject, stellte das Potential gedruckter Elektronik in den Mittelpunkt seines Vortrags. Nur über den Brückenschlag der Informationsmedien ließen sich alle Informationen und Kaufanreize mit Hilfe der Verpackung vermitteln. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass etwa 2/3 der Kaufentscheidungen am Point Of Sale getroffen werden, darunter ca. 50% Neugierigkeitskäufe. Bei durchschnittlich 6.000 Werbekontakten am Tag und 30.000 Produkten im Supermarkt bleiben den Konsumenten nur 0.1 Sekunden Aufmerksamkeit je Produkt. Aufgedruckte Elektronik könne hier einen Unterschied machen. Als Beispiele nannte Olaf Starken Coach Pack (personalisierte Empfehlungen), Product Hunting (zeigt zum Produkt passende Waren) und Smart Pack (berät interaktiv).

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Prof. Dr. Ulrike Herzau-Gerhardt | HTWK Leipzig

Auf der von dvi-Geschäftsführer Winfried Batzke moderierten Veranstaltung vertieften die beiden folgenden Beiträge das Thema Drucktechnologie. Während Prof. Dr. Ulrike Herzau-Gerhardt von der HTWK Leipzig den Teilnehmern einen generellen Überblick bot, informierte Prof. Dr. Edgar Dörsam von der TU Darmstadt gezielt über den aktuellen Stand von Forschung und Technik bei gedruckter Elektronik und die Perspektiven im Verpackungswesen.

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Prof. Dr. Edgar Dörsam | Technische Universität Darmstadt

Für die neue Technik sprechen nach Ansicht von Edgar Dörsam der zusätzliche Verbrauchernutzen, die Aufmerksamkeit am POS, 3D-Effekte, Augmented Reality, Rückverfolgbarkeit und Sicherheit. Dem gegenüber stellen Designprozess, Herstellung, Verkapselung, Transport und Recycling Herausforderungen dar. Das Fazit von Edgar Dörsam: Die Weiterentwicklung des funktionalen Druckens ist eine interdisziplinäre Aufgabe mit dem Ziel eines parallelen Upscaling von Material und Drucktechnologie. Auf dem Markt dürfte sich die Technik nur langsam durchsetzen, da die Verpackung durch den Einsatz gedruckter Elektronik teurer und die Prozess komplexer werden.

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Produkte effizient verpacken

Malte Schlüter | Lenze Automation GmbH

Aktuelle technologische Entwicklungen standen auch im Mittelpunkt des zweiten Themenblocks, den Malte Schlüter vom Tagungssponsor Lenze eröffnete. Der Markt ist in seinen Augen geprägt von anspruchsvollen Forderungen der Konsumgüterindustrie. Die Produktionsstraßen müssten daher äußerst produktiv, wartungsfrei und hochflexibel sein, dabei einfach auf verschiedenste Anforderungen umrüstbar und in kürzester Zeit durch den OEM in Betrieb zu nehmen. Bei alledem gelte es möglichst ohne individuelle Antriebstechnik auszukommen. Da 90% der Maschinenbauer im Verpackungsbereich über (lediglich) 20 bis 70 Mitarbeiter verfügen und der Markt gleichzeitig viele unterschiedliche Maschinen für viele unterschiedliche Anwendungen produzieren muss, kann es nach Überzeugung von Malte Schlüter nur einen Weg geben: Standardisierte Templates und branchentypische Funktionsbausteinen. Mit ihrer Hilfe könne der Maschinenbauer wertvolle Ressourcen für seine eigentliche Kernkompetenz nutzen und sich so Wettbewerbsvorteile sichern.

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Dr. Andreas Wolf | robomotion GmbH

Im Anschluss zeigte Dr. Andreas Wolf von robomotion Funktionsweisen und Beispiele für die Qualitätssicherung bei der Verpackungserstellung mit Hilfe von Kameratechnik. Robotertechnik biete eine Reihe von Vorteilen, die sich auch über Nachrüstung problemlos umsetzten ließen. Ein Vorteil des modularen Anlagenaufbaus sei darüber hinaus die unproblematische Weiternutzung bei Produktänderung. Für Andreas Wolf leisten Roboter als Schlüsselkomponenten in Verpackungsanlagen einen wichtigen Beitrag zur Investitionssicherheit.

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Ingmar Jahr | Vision & Control GmbH

Wie man den Durchsatz erhöht, die Qualität verbessert und Produktvielfalt beherrscht, zeigte Ingmar Jahr vom Tagungssponsor Vision&Control anhand von Beispielen aus der Praxis. Im Zentrum der Prozessschritte steht dabei die industrielle Bildverarbeitung. Sie ermöglicht eine 100%ige Qualitätskontrolle, die mit leistungsstarken Kameras, Optiken, Beleuchtungen und Auswertesoftware ermüdungsfrei sehen, erkennen und richtig entscheiden kann. Spektrum und Auflösungsvermögen sind dabei erweiterbar; Steuerung, Kommunikation und Dokumentation gleichzeitig möglich.

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Natalie Schmid | Multivac Sepp Haggenmüller GmbH & Co. KG

Nach einer kurzen Pause informierte Natalie Schmid von Multivac Sepp Haggenmüller über energieeffiziente Tiefziehverpackungsmaschinen mit elektrischem statt pneumatischem Antrieb (e-concept). Vorteile ergeben sich nach Auskunft von Natalie Schmid bei Intrastruktur, Flexibilität und Geräuschpegel; der Kontrolle von Geschwindigkeiten, Drehmomenten und Hüben sowie den Energiekosten. Bis zu 30 % der Energie ließen sich auf diese Weise in einer Anlage einsparen.

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Dr. Volker Weihnacht | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Auf besonders großes Interesse stieß Dr. Volker Weihnacht vom Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik mit seinem Vortrag zu Reibungs- und Verschleißminderung durch Beschichtung. Er zeigte, wie sich mechanisch beanspruchte Oberflächen durch eine nur wenige Mikrometer dicke Schutzschicht auf Kohlenstoffbasis hinsichtlich ihrer Verschleißeigenschaften erheblich verbessern lassen. In der Folge verlängern sich die Standzeiten um ein Vielfaches. Niedrige Reibung zu nahezu allen Gegenkörpern und eine deutlich verbesserte Gleiteigenschaften sind weitere Vorteile mit hohem Nutzwert zum Beispiel bei Antrieben und Schneidewerkzeugen. Außerdem könne auf den in vielen Szenarien kritischen Einsatz von Öl verzichtet werden.

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Ulrich Kreimeyer und Christoph Krombholz | LOESCH Verpackungstechnik GmbH

Den Abschluss des ersten Tages bildeten Ulrich Kreimeyer und Christoph Krombholz von Loesch. Als ein Beispiel für Nachhaltigkeitskonzepte im Verpackungsmaschinenbau informierten sie über „carbon neutral packaging“. Im Zentrum steht dabei die Erkenntnis, dass jede Wertschöpfung einer Maschine notwendigerweise Energie benötigt und CO2-Emissionen verursacht. Um diese auszugleichen, werden Umweltprojekte äquivalent zur entstandenen Umweltbelastung unterstützt (z.B. durch Aufforstung).

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Lebensmittel unbedenklich verpacken

Julia Canzler und Markus Benzler | GRAFE Advanced Polymers GmbH

Der zweite Verpackungstag sah die Fortführung eines Themas, das bereits in den Vorjahren viel Aufmerksamkeit erfahren und großes Interesse erregt hatte.

Zu Beginn thematisierten Julia Canzler und Markus Benzler von Grafe Advanced Polymers Nachhaltigkeit und Unbedenklichkeit bei Kunststoffverpackungen und den positiven Einfluss von Masterbatches auf ressourcenoptimierte Produktion. Interessante Zahlen gab es dabei auch zum Thema Verschwendung von Lebensmitteln. So wirft jeder Bundesbürger pro Jahr durchschnittlich 81,6 kg Lebensmittel weg; wovon 53 kg vermeidbar sind. Der Wert summiert sich pro Person und Jahr auf 235 €, was für die Volkswirtschaft 20 Mrd. € ergibt.

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Dr. Cornelia Stramm | Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung

Über aktuelle Forschungsergebnisse zu Lebensmittelverpackungen auf der Basis von Biopolymeren informierte im Anschluss Dr. Cornelia Stramm vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV). In ihrem vielbeachteten Vortrag informierte sie über die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen, Nachhaltigkeit bei den Materialien und Innovationen bei Barriere-Schichten aus Molkeprotein und PLA/PHA. So weist der Molke-Proteinfilm gute Barriereeigenschaften in Bezug auf Sauerstoff und Feuchtigkeit auf, ist thermoformbar, hat antimikrobielle sowie antioxidative Wirkstoffe und verbessert die Rezykliebarkeit von Verbundmaterial. Auch preislich zeigt sich der Molke-Proteinfilm nach Auskunft von Cornelia Stramm konkurrenzfähig. Vielleicht sehen wir also schon bald Käse in einer Verpackung auf der Basis von Käse (systemische Verpackung).

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Dirk Fiedler | Papiertechnische Stiftung (PTS)

Über Barrieren und neue Funktionalitäten für papierbasierte Verpackungen sprach Dirk Fiedler von der Papiertechnische Stiftung (PTS). Nach einem Überblick der Marktanteile verschiedener Materialien erläuterte er die Gründe für die relative Underperformance von Papier. Diese sei fundamental nicht begründet, da Papier als einzigartiges biobasiertes Verpackungsmedium äußerst flexible Einsatzmöglichkeiten und eine sehr positive Nachhaltigkeitsbilanz biete. Konkret ergäben sich Chancen durch den steigenden Bedarf an multifunktionalem Papier beim Digitaldruck, die Individualisierung von Verpackungen, Track and Trace Funktion für Güter, die Verbesserungen der Fälschungssicherheit, verbesserte Funktionalität z.B. beim Produktschutz und der Haltbarkeit (aktive Verpackung), bei systemischen Verpackungen, durch Differenzierung über haptische Effekte, elektromagnetische Abschirmung, gedruckte Elektronik und der Möglichkeit, Papier über funktionale Füllstoffe aufzuwerten.

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Dirk Teegelbekkers | PEFC Deutschland e.V.

Über die Verwendung von zertifiziertem Papier und Karton als aktiven Beitrag zum Umweltschutz sprach Dirk Teegelbekkers von PEFC Deutschland e.V. Er legt dar, welche Kriterien wirklich nachhaltig erzeugte Papierprodukte erfüllen sollten. Daneben lieferte er eine Reihe interessanter Zahlen, z.B. zum Ausmaß der globalen Waldzerstörung (13. Mio. Hektar/Jahr) und dem Anteil der Abholzung am gesamten freigesetzten Kohlenstoff (18% gegenüber 14% durch Transport, 24% durch Energie, 14% durch Industrie, 14% durch Landwirtschaft, 8% durch Gebäude und 8% durch andere Faktoren).

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Peter Loosen | Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.

Zum Abschluss der Verpackungstagung informierte Peter Loosen, Geschäftsführer des Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. ausführlich über die zum 13. Dezember 2014 in Kraft tretende EU-Lebensmittelinformations-Verordnung und die Informationspflichten für die Lebensmittelwirtschaft. Die Verordnung ist von materialübergreifender Bedeutung und legt europaweit eine Reihe von verpflichtenden Angaben und Hinweisen fest. Noch ist die einheitliche Anwendung der neuen Vorschrift nach Auskunft von Peter Loosen eine Herausforderung mit erheblichen Unsicherheiten und zahlreiche Fragen, auch wenn nicht alles neu sei. Mit Sicherheit könne man aber sagen, dass sich keine Verpackung in den nächsten zwei Jahren nicht verändern müsse.

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Netzwerken und Kontakt mit Studierenden

Neben den Fachvorträgen bot die Dresdner Verpackungstagung auf einer Abendveranstaltung Zeit und Raum für neue und alte Kontakte. Studenten verpackungsrelevanter Studiengänge aus Berlin, Leipzig, Dresden und Hannover konnten die Verpackungstagung auch dieses Jahr für den symbolischen Beitrag von 15 Euro besuchen. Rund 30 Studierende erhielten so die Möglichkeit, exklusive Kontakte zu knüpfen, Impulse aufzunehmen und Themen bzw. Unternehmen für Praktika und Masterarbeiten zu finden. Im Gegenzug hatten teilnehmende Unternehmen die Möglichkeit, unter den Fachkräften von morgen schon heute die für sie interessanten Köpfe kennen zu lernen.

Impressionen der Tagung

Die nächste Dresdner Verpackungstagung findet am 5. und 6. Dezember 2013 statt. 

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